Widerstand - 3. Quartal 2021

Lange sah es danach aus, als ob die Schweiz über eine Zertifikatspflicht hinweg sieht. Zuletzt kam sie dann trotzdem, und wie. Von einem Tag auf den anderen durften ohne Zertifikat lediglich die Grundbedürfnisse gestillt werden, wie das Einkaufen für den eigenen Bedarf. Die Schweiz hat jedoch in Sachen Impfquote rasant aufgeholt. Von Anfang Mai, wo wir noch bei einer Impfquote von knapp 20% waren, sind mittlerweile etwas über 60% der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Die Unsicherheit ist jedoch noch gross. Etwas, was vielen Schwierigkeiten bereitet ist, dass ein Impfstoff in kürzester Zeit auf den Markt kam und keine Langzeitstudien vorliegen. Doch was beinhaltet diese neue Methode, welche mRNA genannt wird?


mRNA - Revolution


Drei Wochen nach der Covid-19 Publikation war bereits der erste Impfstoff auf den Markt. Die Firma Moderna brachte den ersten mRNA - Wirkstoff an den Mann. Die Abkürzung steht für MessengerRNA, also Boten-Ribonukleinsäure.


Der Unterschied

Bei einer herkömmlichen Impfung wird dem Körper das Virus zugeführt, welcher zuerst unschädlich gemacht wurde. Der Körper lernt so, sich dagegen zu wehren. Bei der mRNA - Methode jedoch wird dem Körper lediglich eine genetische Information zugeführt, welche ihm erlaubt, das Spike-Protein in den Zellen aufzubauen, welches sich auf der Oberfläche der Viren befindet und sich somit gegen diese schützen zu können. Diese Methode könnte in der Zukunft dieselbe Anwendung bei Krebs oder anderen genetischen Krankheiten finden. Somit könnte der Körper instruiert werden, Krebszellen zu bekämpfen. An dieser mRNA - Technik wird bereits seit Jahrzehnten geforscht. Gegenüber herkömmlichen Impfungen, welche eine Wirksamkeit von 60% aufzeigen, liegt diese bei der mRNA - Methode bei 95%. Der erste Versuch mit dieser Methode fand im Jahr 1990 statt.


Es sind genau solche Biotech - Unternehmen, welche aktuell bei Investoren hoch im Kurs sind. Die Firma Biontech will eines der grössten gesundheitlichen Probleme behandeln, welches seit Jahren besteht. Der Kampf gegen das Malaria. Denn in Afrika zählt die Krankheit zu den sieben häufigsten Todesursachen. Grippeviren hingegen werden mit der mRNA - Methode schwieriger zu behandeln sein, da sie viel häufiger mutieren.

Wirtschaft Schweiz


Rolex und ihre Verschwiegenheit


Zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens äussert sich Rolex über die Knappheit der begehrtesten Uhren. Die Uhren von Rolex Kosten beim Händler durchschnittlich 10 Tausend Schweizer Franken, weshalb sie im Vergleich zu echten Luxus-Marken wie Patek Philippe oder Audemars Piguet günstig erscheinen. Ebenfalls fällt die Produktionsstückzahl für eine Luxusmarke sehr hoch aus. Lediglich drei Marken produzieren mehr als Rolex; Swatch, Tissot und Longiness. Diese liegen jährlich im Bereich von 1.5 bis 3 Millionen Stück. Zum Vergleich; Patek produziert jährlich 53 Tausend Stück, Audemars Piguet 40 Tausend. Somit kristallisiert es sich deutlich heraus; Rolex ist für eine Luxusmarke zu günstig und mengenmässig zu hoch.


Über Rolex ist wenig bekannt, Umsätze, Gewinne oder auch Stückzahlen sind lediglich Schätzungen. Nun äussert sich Rolex jedoch zum langjährigen Vorwurf, die Verknappung der begehrten Uhren sei eine gezielte Strategie des Unternehmens, um den Wert und die Seltenheit hoch zu halten. Dies dementiert die Firma und teilt mit, dass die bestehenden Produkte die Nachfrage der Kunden nicht befriedigen können, ohne an Qualität einzubüssen. Denn die Uhren werden an vier Standorten in der Schweiz entwickelt und hergestellt und von Hand zusammengebaut.


Zudem kommt hinzu, dass die Händler die Zuteilung der Uhren an ihre Kunden verwalten, Rolex beliefert diese lediglich. Natürlich verkaufen diese die Sondermodelle dann zuerst an ihre guten Kunden, die regelmässig bei ihnen einkaufen. Eine Möglichkeit, dies zu beenden, bestünde darin, dass Rolex eine eigene Warteliste für Kunden führt. Die Frage ist nur, ob das im Interesse des Unternehmens liegt. Denn obwohl die Verknappung keine gezielte Strategie darstellt, hilft sie dabei, für das Unternehmen einen Sonderstatus zu erhalten.


Beziehung Schweiz - EU


Seit dem Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen seitens der Schweiz leidet die Medizintechnikindustrie enorm. Schweizer Firmen erhalten keinen barrierefreien Zugang zum EU-Binnenmarkt mehr. Produkte, welche neu auf den Markt kommen, müssen zusätzlich bei den EU-Kontrollorganen registriert werden. Zudem sind EU-Fördergelder unerreichbar geworden, obwohl die Schweiz das Förderprogramm mitfinanziert. Für die Maschinenindustrie, Bauproduktion und weitere Branchen könnte ein ähnliches Szenario einsetzen, sobald die EU ihre Richtlinien erneuert. Lösungen dieses Problems könnten Tochterfirmen im EU-Raum darstellen oder ein kompletter Umzug der Firmen. Vor allem KMU' s sind davon betroffen.


Rekordpreise für Energiekosten


In diesem Jahr steigen die Energiepreise ins Unermessliche. Seit Jahresanfang sind diese um das vierfache gestiegen. Gewisse Regionalversorger haben Ihre Preise bereits um 30 Prozent erhöht. Viele fürchten einen Engpass der Energieversorgung im Winter, denn je kälter der Winter, desto höher die Preise. Zudem kommt die Hälfte des Erdgasverbrauchs der Schweizerischen Haushalte aus Russland, welches aktuell in geringen Mengen liefert, während die Nachfrage stark zugenommen hat.


Länder wie Indien oder Brasilien produzieren mehr Strom in Gaskraftwerken, während die Schweiz komplett vom Ausland abhängig ist und keine eigene Produktion sowie Speichermöglichkeiten hat. Somit kann das Wetter in diesem Jahr entscheidend sein. Der kalte Sommer und der frühe Eintritt der kälte in diesem Jahr verschlechtern daher die Situation nur.


Kino-Krise


Eine Gruppe, welche die grösste Krise seit der Nachkriegszeit erfährt, sind die Kinobetreiber. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Schweizer Kinos einen Rückgang an Besuchern von 65%. Mit der Zertifikatspflicht ist eine Besserung nicht in Sicht. Beispiel dafür ist Frankreich, wo seit der Einführung der Zertifikatspflicht Rückgänge von bi zu 70% verzeichnet werden. Dazu kommt, dass Subventionen, welche den Kinobetreibern ausgezahlt wurden, für Kinos der breiten Masse, soll heissen ohne kulturellen oder künstlerischen Hintergrund, nicht mehr zur Verfügung stehen. Gemäss Recherchen der Handelszeitung haben die Kinokette Pathé und Arena Rekurs dagegen eingelegt.


Börsengang On


Im dritten Quartal ging der Schweizer Schuhhersteller On, mit seinem Botschafter und Klein-Anteilhaber Roger Federer, an die Börse. Der Umsatz von On, das auch Sportbekleidung und Accessoirs anbietet, schoss im vergangenen Jahr um 59 Prozent auf 425,3 Millionen Franken nach oben, der bereinigte Betriebsgewinn legte um 67 Prozent auf 49,8 Millionen Franken zu. Die Aktie startete stark in den Handel, befindet sich nun jedoch über 24 Prozent im Minus und wird mit 9.1 Milliarden Dollar an der New York Stock Exchange bewertet.


Der erfolgte Börsengang in New York soll die internationale Präsenz stärken. Vor allem der asiatische Markt muss ausgebaut werden. Aktuell wurden lediglich 5.5 Millionen Schweizer Franken an Umsatz in China generiert und 21 Millionen in ganz Asien. Dieser Markt ist sehr umkämpft und viel Geld wird benötigt, um Fuss fassen zu können. Hier kommt Roger Federer ins Spiel. Er ist weltweit bestens bekannt und soll die Bekanntheit der Marke im Ausland steigern.


Die Gründer können jedoch schon jetzt lachen. David Allemann, Caspar Soppetti und Olivier Bernhard sind nach dem Börsengang um circa einer Milliarde Schweizer Franken reicher pro Kopf.

Börse Spezial


Das Jahr 2021 startete für jeden Börsianer "bullenstark". Im Januar gingen vor allem Techwerte und diejenigen der grünen Energie durch die Decke. Dies änderte jedoch schlagartig. Mittlerweile bestimmen Crash-News und Gefahrenwarnungen von Experten die Schlagzeilen. Denn die verschiedenen CoVid-Varianten, die Inflation, Steuererhöhungen in den USA, Rezessionsmeldungen sowie hohe Strom- und Ölpreise drücken die Stimmung an den Börsen massiv.


Die positive Nachricht jedoch ist, dass wenn solche Gespräche den Alltag dominieren und die pessimistische Stimmung Überhand nimmt, viele Ängste bereits in den Aktienkursen eingepreist sind. Dafür dient das Jahr 2020 als gutes Beispiel, wo auf Rekordstürze eine rasche und steile Erholung folgte. Denn wie Sir John Templeton zu pflegen sagte; Bullenmärkte werden aus Pessimismus geboren, wachsen mit Skepsis, reifen mit Optimismus und sterben durch Euphorie. Laut einer Umfrage der Deutschen Bank erwarten aktuell 70 Prozent der Prognostiker bis Ende Jahr einen Aktienrückgang von 5%.


Jedoch sind wir noch weit von Panikverkäufen und Krisenzeiten entfernt. Denn jetzt noch sind die Eröffnungen von Maklerkonten sowie die Aktienquoten von Fonds sehr hoch. Wir befinden uns in einer Spätphase des Bullenmarktes, was jedoch noch lange nicht der Schluss dessen zu bedeuten hat. Denn eine gemässigte Stimmung kann den Bullenmarkt erneut aufladen und grosse Sorgen können guten Kraftstoff für den Aktienmarkt darstellen. Denn in solchen Fällen können positive Überraschungen grosse Bewegungen an den Aktienmärkten generieren. Denn aktuell sollten die grossen Krisenpunkte wie Delta-Varianten, Lieferengpässe oder steigende Kosten bereits eingepreist sein.


Was jedoch nicht vergessen gehen sollte, ist der Risikofaktor China mit seinem Sorgenkind Evergrande. Das chinesische Immobilienimperium verfügt über 300 Milliarden Schulden. In den nächste sechs Monaten sind 5 Milliarden notwendig, um Verpflichtungen von Gläubigern nachzukommen. Mittlerweile wurden diverse Führungskräfte zur Rechenschaft gezogen und zu Rückzahlungen von verschiedenen Finanzanlagen gezwungen.


Experten gehen davon aus, dass die chinesische Regierung eine Pleiten des Immobilienkonzerns nicht zulassen und eingreifen wird. Sollte dies jedoch nicht geschehen und die Insolvenz tatsächlich Realität werden, kann dies eine Kettenreaktion auslösen, wie wir sie aus den Zeiten von Lehman Brothers kennen. Was jedoch genau eintreffen wird und was die Folgen davon sind, kann keiner voraussagen. Deshalb sind solche Faktoren immer im Hinterkopf zu behalten und keine voreiligen Entscheidungen zu treffen. Die Finanzwelt ist heutzutage komplexer als je zuvor und unerwartete Ereignisse können Folgen haben, welche für jeden unberechenbar sein können.