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🇳🇱 Besteuerung unrealisierter Gewinne in den Niederlanden – Signal für Europa?

  • Autorenbild: Carlino Trust
    Carlino Trust
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Minuten

Die Niederlande planen eine der tiefgreifendsten Reformen der privaten Vermögensbesteuerung in Europa. Im Zentrum steht eine neue Steuer auf unrealisierte Gewinne – also Wertsteigerungen von Anlagen, die noch gar nicht verkauft wurden. Was technisch klingt, hat weitreichende Folgen für Anleger, Wohlstand, Kapitalströme und den Steuerwettbewerb innerhalb Europas. 📊


Was genau beschlossen wurde?

Die Reform betrifft das sogenannte Box-3-System, mit dem in den Niederlanden private Ersparnisse und Investments besteuert werden.


Künftig soll gelten:

  • Einführung einer Steuer auf tatsächliche jährliche Renditen statt fiktiver Annahmen

  • Einbezug von unrealisierten Kursgewinnen (z. B. Aktien, ETFs, Kryptowährungen)

  • Einheitlicher Steuersatz von rund 36 %

  • Geplanter Start: 1. Januar 2028 (vorbehaltlich finaler Zustimmung)


Das bedeutet konkret: Steigt der Wert eines Depots im Laufe eines Jahres, wird dieser Buchgewinn steuerpflichtig – auch wenn kein Verkauf stattgefunden hat.


Ausgenommen sind derzeit vor allem:

  • Selbstgenutzte Immobilien

  • Teilweise Immobilieninvestments

  • Bestimmte Startup-Beteiligungen


Diese sollen erst bei tatsächlichem Verkauf besteuert werden.


Warum führt der Staat diese Steuer ein?


Die Reform ist eine Reaktion auf juristische Probleme des bisherigen Systems:

  • Das alte Modell basierte auf angenommenen Renditen, nicht auf realen Ergebnissen

  • Gerichte erklärten diese Praxis als unfair gegenüber Sparern

  • Der Staat musste eine neue, rechtssichere Lösung finden


Ziel ist es nun, Vermögen „realitätsnäher“ zu besteuern und Steuervermeidung durch langfristiges Halten von Assets zu erschweren.

Kritiker sehen darin jedoch vor allem einen fiskalischen Schritt zur Sicherung staatlicher Einnahmen.


Was bedeutet das für Bürger und Anleger?


1) Liquiditätsproblem 💧

Das größte praktische Problem:

👉 Steuern werden fällig, obwohl kein Geld zugeflossen ist.


Ein Anleger kann gezwungen sein, Vermögenswerte zu verkaufen, nur um die Steuerrechnung zu begleichen. Besonders betroffen:

  • Langfristige ETF-Sparer

  • Unternehmer mit Beteiligungen

  • Kryptoinvestoren

  • Personen mit illiquiden Assets


Experten warnen, dass dadurch langfristiges Investieren erschwert wird.


2) Höhere Volatilität im Anlageverhalten 📉

Mögliche Folgen:

  • Häufigere Verkäufe zur Steuerfinanzierung

  • Umschichtung in steuerlich begünstigte Assets

  • Fokus auf dividendenarme Anlagen

  • Rückgang von Risiko-Investments


Das könnte die Kapitalmärkte indirekt beeinflussen.


3) Benachteiligung langfristiger Vermögensbildung ⏳

Unrealisierte Gewinne sind der Motor des Zinseszinseffekts.


Wenn jährlich besteuert wird:

  • sinkt die Wiederanlagebasis

  • reduziert sich langfristiger Vermögensaufbau

  • Altersvorsorge durch Kapitalmärkte wird weniger attraktiv


Simulationen zeigen, dass jährliche Besteuerung die Endrendite deutlich verringern kann, selbst bei identischen Markterträgen.


4) Gesellschaftliche Auswirkungen 🧭

Für die Bevölkerung könnte dies bedeuten:


Profiteure

  • Staatshaushalt

  • Personen mit geringem Finanzvermögen


Belastete Gruppen

  • Mittelschicht mit Ersparnissen

  • FIRE-Anhänger

  • Unternehmerfamilien

  • Expats und mobile Fachkräfte


Langfristig könnte dies die Vermögensbildung breiter Bevölkerungsschichten bremsen.


Wohin könnte das führen?

Ökonomen diskutieren mehrere mögliche Szenarien:


Kapitalflucht 🌍

Vermögende Haushalte könnten Wohnsitz oder Investments verlagern.


Rückgang privater Investitionen

Weniger Kapital für Startups, Immobilien und Innovation.


Steuerwettbewerb innerhalb Europas

Länder mit investorenfreundlicher Politik gewinnen an Attraktivität.


Könnte so etwas EU-weit kommen?

Kurz gesagt: Schwierig, aber nicht unmöglich.


Gründe dagegen

  • Steuerpolitik bleibt weitgehend nationale Kompetenz

  • Große Unterschiede in Vermögensstrukturen

  • Politischer Widerstand in vielen Staaten


Gründe dafür

  • EU-weit zunehmende Debatten über Vermögenssteuern

  • Druck zur Finanzierung von Sozialstaat und Schulden

  • Angleichung von Kapitalbesteuerung


Ein EU-weiter Zwang ist derzeit unwahrscheinlich — einzelne Länder könnten jedoch nachziehen, wenn die Niederlande Mehreinnahmen erzielen.


Warum würde die Schweiz profitieren? 🇨🇭

Die Schweiz verfolgt traditionell eine investorenfreundlichere Linie:

  • Keine generelle Steuer auf private Kapitalgewinne

  • Stabile steuerliche Rahmenbedingungen

  • Föderaler Steuerwettbewerb zwischen Kantonen


Sollten mehrere EU-Länder ähnliche Modelle einführen, könnte die Schweiz:

👉 Vermögende Privatpersonen

👉 Unternehmer

👉 Family Offices

👉 internationale Fachkräfte


noch stärker anziehen.


Damit würde sich ihre Rolle als Vermögensstandort Europas weiter festigen.


Fazit 🧠

Die niederländische Reform ist mehr als eine Steueränderung — sie ist ein Testfall für die Zukunft der Vermögensbesteuerung in Europa.


Chancen

  • höhere Staatseinnahmen

  • formal gerechtere Besteuerung tatsächlicher Renditen


Risiken

  • Investitionshemmnisse

  • Kapitalabwanderung

  • Schwächung privater Vermögensbildung


Ob andere Länder folgen oder ob sich das Modell als warnendes Beispiel erweist, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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