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Individualbesteuerung 🇨🇭 - Das Ende der «Heiratsstrafe» – oder der Beginn eines neuen Steuersystems?

  • Autorenbild: Carlino Trust
    Carlino Trust
  • 20. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Die Individualbesteuerung gehört zu den grössten steuerpolitischen Veränderungen, die die Schweiz seit Jahren diskutiert hat. Für manche Haushalte könnte sie mehrere tausend Franken Unterschied pro Jahr bedeuten – für andere wiederum kaum Vorteile bringen oder sogar Nachteile mit sich bringen.


Viele Menschen fragen sich deshalb: Was bedeutet Individualbesteuerung konkret? Wer profitiert? Was verändert sich in den Kantonen? Ab wann tritt das neue System in Kraft? Und worauf sollten Sie sich frühzeitig vorbereiten?


Genau diese Fragen beleuchtet dieser Artikel – verständlich, praxisnah und mit konkreten Beispielen.


Gemäss Bundesentscheid wurde die Individualbesteuerung am 8. März 2026 angenommen – die Umsetzung erfolgt jedoch nicht sofort, sondern schrittweise über mehrere Jahre.


📌 Was bedeutet Individualbesteuerung überhaupt?

Heute gilt in der Schweiz grundsätzlich:

  • Verheiratete Paare werden gemeinsam besteuert

  • Einkommen und Vermögen werden zusammengezählt

  • Es wird eine gemeinsame Steuererklärung eingereicht


Das Problem: Durch die Progression steigen die Steuersätze mit höherem Einkommen. Werden zwei Einkommen zusammengerechnet, kann dies zu einer höheren Belastung führen.


Das ist die bekannte:


💍 „Heiratsstrafe“


Mit der Individualbesteuerung soll sich dies ändern:


Jede Person wird künftig unabhängig vom Zivilstand separat besteuert.


Das bedeutet:

✅ Zwei getrennte Steuererklärungen

✅ Separates Einkommen

✅ Separates Vermögen

✅ Einheitlicher Tarif unabhängig vom Familienstand


Verheiratete Personen würden somit steuerlich ähnlich behandelt wie unverheiratete Paare.

🤔 Weshalb wurde die Individualbesteuerung eingeführt?

Die Diskussion beschäftigt die Schweiz bereits seit Jahrzehnten.


Befürworter argumentieren:


  • mehr Gleichbehandlung

  • weniger Diskriminierung verheirateter Paare

  • stärkere Förderung von Zweitverdienenden

  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • höhere Erwerbsanreize


Vor allem Personen, die ihr Pensum nach Familiengründung reduzieren, könnten wieder mehr arbeiten, ohne dass zusätzliche Einkommen überproportional besteuert werden.

Kritiker hingegen befürchten:


  • höhere administrative Kosten

  • mehr Bürokratie

  • neue Ungleichheiten

  • mögliche Mehrbelastung bestimmter Familienmodelle


Die Realität dürfte – wie oft – irgendwo dazwischen liegen.


💡 Warum die Progression entscheidend ist

Die Progression ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis.


Ein einfaches Beispiel:


Ehepaar heute:


Person A: CHF 140'000 Einkommen

Person B: CHF 90'000 Einkommen


Gemeinsam:

CHF 230'000 steuerbares Einkommen


Dieses Gesamteinkommen kann in höhere Steuerstufen fallen.


Mit Individualbesteuerung:

Person A wird auf CHF 140'000 besteuert

Person B auf CHF 90'000


Dadurch fällt der Progressionseffekt teilweise weg.

Genau hier entstehen oft die grössten Vorteile.


📊 Praxisbeispiel: Wann lohnt sich Individualbesteuerung?

Fall A: Doppelverdiener mit ähnlichen Einkommen 👩‍💼👨‍💼

Anna verdient:

CHF 120'000


Marc verdient:

CHF 100'000


Heute:

Gesamteinkommen = CHF 220'000


Durch Zusammenrechnung entsteht eine relativ hohe Steuerprogression.


Unter Individualbesteuerung:

Anna und Marc werden separat besteuert.


Mögliche Folge:

✅ tiefere Bundessteuer

✅ geringere Progression

✅ Einsparpotenzial von mehreren Tausend Franken jährlich


Genau solche Haushalte gelten als klassische Gewinner.


Fall B: Einverdiener-Haushalt 👨‍👩‍👧

David verdient:

CHF 180'000


Partnerin:

CHF 0


Heute:

Verheiratetentarif + diverse Abzüge


Unter Individualbesteuerung:

Nur eine Person erzielt Einkommen.


Die Vorteile der getrennten Besteuerung wirken kaum.


Mögliche Folge:

❌ wenig Nutzen

❌ Teilweise höhere Belastung möglich


Einverdienermodelle gelten deshalb eher als potenzielle Verlierer.


Fall C: Teilzeit-Familie 👶

Mutter:

CHF 40'000


Vater:

CHF 130'000


Heute überlegen viele Familien:

"Lohnt sich eine Erhöhung des Arbeitspensums überhaupt?"


Der Grund:

Mehr Einkommen führt oft zu:

  • höheren Steuern

  • höheren Betreuungskosten

  • höheren Abgaben


Mit Individualbesteuerung sinkt dieser Effekt teilweise. Für viele Familien könnte dadurch eine Pensumerhöhung attraktiver werden.


👀 Wer profitiert wahrscheinlich?

Tendenziell profitieren:

✅ Doppelverdiener

✅ Ehepaare mit ähnlichem Einkommen

✅ gut verdienende Paare

✅ Personen mit hohem Zweiteinkommen

✅ Teilzeitmodelle mit Ausbaupotenzial


⚠ Wer könnte weniger profitieren?

Eher kritisch:

❌ Einverdiener-Haushalte

❌ traditionelle Familienmodelle

❌ Haushalte mit grossem Einkommensunterschied

❌ gewisse Rentnerhaushalte


Deshalb ist die Aussage:

"Die Individualbesteuerung ist automatisch besser."

nicht korrekt.


Es kommt stark auf die individuelle Situation an.

🧾 Was passiert mit Abzügen?

Eine der spannendsten Fragen lautet:

Wer erhält künftig welche Abzüge?


Denn viele heutige Abzüge basieren auf gemeinsamer Veranlagung:

  • Kinderabzüge

  • Zweiverdienerabzug

  • Verheiratetenabzug

  • Versicherungsabzüge

  • Sozialabzüge


Hier müssen neue Regeln geschaffen werden. Teilweise sollen Kinderabzüge künftig aufgeteilt werden. Genau diese Details werden später entscheidend sein.


🏛 Welche Rolle spielen die Kantone?

Hier wird es besonders spannend.

Viele denken:"Der Bund entscheidet – und fertig."

So einfach ist es nicht.


In der Schweiz bestehen:

  1. Bundessteuer

  2. Kantonssteuer

  3. Gemeindesteuer


Jeder Kanton besitzt eigene:

  • Tarife

  • Abzüge

  • Steuersätze

  • Familienmodelle


Deshalb könnte die Wirkung der Individualbesteuerung je nach Wohnort stark variieren.

Ein Ehepaar in Zürich könnte anders betroffen sein als eines in Bern, Zug oder Genf.

Die Kantone müssen ihre Gesetze umfassend anpassen.


🌍 Warum Ihr Wohnkanton plötzlich noch wichtiger wird

Bereits heute bestehen erhebliche Unterschiede.


Beispielsweise:

  • Zug: sehr tiefe Steuerbelastung

  • Schwyz: attraktiv

  • Genf: teilweise höher

  • Waadt: eigene Strukturen

  • Bern: andere Progression


Nach Einführung der Individualbesteuerung könnten diese Unterschiede teilweise noch stärker sichtbar werden.


Für vermögende oder gut verdienende Haushalte könnte die Wohnsitzwahl künftig zusätzliche Bedeutung erhalten.


📅 Ab wann gilt die Individualbesteuerung?

Viele glauben, die Umstellung erfolge sofort.

Das stimmt nicht.


Die Einführung braucht erhebliche Vorbereitungen:

  • Gesetzesanpassungen

  • IT-Systeme

  • kantonale Umsetzung

  • Steuerformulare

  • Übergangsregelungen


Die Kantone sollen ihre Gesetzgebung spätestens bis 2032 anpassen. Bis dahin wird schrittweise umgesetzt.


Das bedeutet:

🕒 Noch bleibt Zeit zur Vorbereitung.


🔍 Was sollten Sie bereits heute beachten?

Auch wenn die Einführung noch Zeit braucht, können gewisse Überlegungen bereits sinnvoll sein.


Beispiele:


Vorsorge prüfen 💰

✅Säule 3a

✅Pensionskasse

✅Einkaufsmöglichkeiten


Je nach späterer Besteuerung können sich heutige Strategien verändern.


Arbeitspensum analysieren 📈

Für Familien kann sich künftig die Frage stellen:

Lohnt sich ein höheres Pensum?


Die Individualbesteuerung könnte Zweiteinkommen attraktiver machen.


Immobilien und Vermögen prüfen 🏠

Wenn Vermögen künftig anders aufgeteilt wird, können Eigentumsstrukturen relevanter werden.


Beispielsweise:

  • Miteigentum

  • Alleineigentum

  • Vermögensverteilung


Steuerplanung wird wichtiger 📊

Viele Familien werden künftig stärker individuell planen müssen.


Nicht mehr:

"Was zahlt die Familie?"

Sondern:

"Was bezahlt jede einzelne Person?"


⚖ Chancen und Risiken im Überblick

Chancen

✅ Ende der Heiratsstrafe

✅ stärkere Gleichbehandlung

✅ höhere Erwerbsanreize

✅ Vorteile für Doppelverdiener

✅ mehr Transparenz


Risiken

❌ neue Komplexität

❌ administrative Mehrarbeit

❌ mögliche Mehrbelastung für Einverdiener

❌ grosse Unterschiede je nach Kanton

🎯 Fazit: Revolution oder nur neue Regeln?

Die Individualbesteuerung verändert weit mehr als nur die Steuererklärung.


Sie beeinflusst:

  • Familienmodelle

  • Erwerbsentscheidungen

  • Vorsorge

  • Steuerstrategien

  • Wohnortfragen

  • Vermögensplanung


Ob Sie profitieren, hängt jedoch nicht von einem einzelnen Faktor ab.


Entscheidend sind:

✔ Einkommen

✔ Familienmodell

✔ Kanton

✔ Vermögen

✔ Erwerbssituation

✔ Kinder und Abzüge


Für manche Haushalte kann die Reform mehrere Tausend Franken pro Jahr ausmachen.

Für andere bleibt der Effekt überschaubar.


Eines scheint jedoch bereits heute klar:

📌 Steuerplanung wird künftig noch individueller.


Und genau deshalb lohnt es sich, die Entwicklung frühzeitig im Blick zu behalten.


Hinweis: Steuerrechtliche Entwicklungen und kantonale Umsetzungen können sich ändern. Eine individuelle Fachberatung bleibt insbesondere bei komplexeren Familien- oder Vermögenssituationen empfehlenswert.

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